Wie teuer sind deine Kredite und dein Haus wirklich?

Manuel ErnstFinancial intelligence Comments

Sparen und Investieren sind die Grundpfeiler der finanziellen Freiheit und Unabhängigkeit. Junge wie alte Leute versuchen zwar zu sparen, nur ist das nicht so einfach bzw. es wird oft an den „falschen“ Stellen gespart. Es wird versucht bei Lebensmittelpreisen ein paar Cent zu sparen. Oder es wird nach Tankstellen gesucht die ein paar Cent günstiger sind. Doch durch das Fahren zur Tankstelle, nur um diesen günstigen Preis auszunutzen, wird das ersparte Geld durch den Fahrtweg wieder verschwendet. Nur sind diese Beträge doch relativ klein. Hingegen wird bei Dingen wie Krediten ohne jegliche Hemmung agiert und Kreditverträge über viele Jahre abgeschlossen. Aber genau an diesem Punkt, bei Krediten, kann einiges gespart werden.

Sofern du einen Kredit aufnehmen musst, kämpfe um jedes Zehntel am Zinssatz das du zahlen musst. Denn aufgrund der meist langen Laufzeiten der Kredite macht sich der Zinseszins enorm bemerkbar. Auf den Zinseszinseffekt gehen wir in einem anderen Artikel näher ein.

Wie viel Zinsen zahlst du tatsächlich, wenn du einen Kredit über 7 Prozent aufnimmst und die Laufzeit 35 Jahre beträgt? So einen Kreditvertrag könnte man sich beispielsweise zum Abbezahlen eines Hauses vorstellen. Nehmen wir an, dass der Kreditbetrag bei 100.000 Euro liegt (relativ kleines Haus). Daraus berechnet sich eine monatliche Rückzahlung von circa 624 Euro. Ein Betrag der das monatliche Einkommen schon erheblich mindert. Die anfallenden Zinsen tragen erheblich zu diesem Betrag bei. Und diese 624 Euro sind noch recht niedrig, da von einer Kreditsumme von gerade einmal 100.000 Euro ausgegangen wurde (was wenig für ein neues Haus ist). Aber was ist denn nun über die Laufzeit an Zinsen angefallen? Was denkst du? 50.000 Euro oder noch mehr? Es fallen circa 162.015 Euro an Zinsen an und dazu kommen noch die 100.000 an Kreditsumme die du zurückzahlen musst. Das heißt im Endeffekt musst du mehr als 262.000 Euro zurückzahlen, und das obwohl du „nur“ 100.000 Euro aufgenommen hast. Erkennst du schon das Sparpotential?

Stell dir vor du hast einen Kredit zu 7 Prozent Zinsen jährlich aufgenommen. Aber die 162.015 Euro an Zinsen sind mehr als 7 Prozent der aufgenommenen Kreditsumme. Die Zinsen betragen nämlich mehr als 160 Prozent (!) der Kreditsumme. Wie kommt dieser Unterschied zustande? Er entsteht durch den Zinseszins und davon erwähnt deine Bank nichts, wenn du den Kredit aufnimmst. Diese verwendet den angepriesenen Zins von 7 Prozent nur als Werbemaßnahme, um dir den Kredit schmackhaft zu machen. Denn wie gesagt, 7 Prozent hören sich nach wenig an, sind es aber in Wahrheit nicht. Dabei lügt die Bank dich nicht einmal an, sie sagt einfach nur nicht die Wahrheit.

Du gehst nach der Kreditaufnahme glücklich nach Hause und freust dich in Zukunft ein eigenes Haus zu besitzen. Als weiteres geht die Bankbranche davon aus, dass du in ein paar Jahren ein größeres Haus haben willst oder noch zusätzlich ein Ferienhaus, eine Doppelgarage, einen Wintergarten oder die in Deutschland sehr beliebte Solaranlage bauen willst. Auch hierfür bietet dir die Bank gerne einen Kredit an, denn sie wird dich somit langfristig an die Bank binden und dir das Geld solange aus den Taschen ziehen bis nichts mehr da ist. Es wird dich teuer zu stehen kommen. Denn wie du oben in dem Beispiel gesehen hast, zahlst du für das Haus 262.000 Euro, obwohl es nur 100.000 Euro wert ist. Und in diesem Beispiel wurden nicht einmal Grundsteuern, die Versicherung für den Kredit oder Instandhaltungskosten für das Haus berücksichtigt. Zudem wurde der Kreditbetrag von 100.000 Euro für ein Eigenheim noch recht niedrig gewählt. Stell dir nur einmal vor, was du zu zahlen hättest, wenn du einen noch höheren Kredit aufgenommen hättest. Bei der Solaranlage kommt noch dazu, dass bei dieser alle 5 bis 10 Jahre neue Kollektoren eingebaut werden müssen. Die hierfür anfallenden Kosten sind dabei oft größer, als die Ersparnis an Energiekosten über diese 5 bis 10 Jahre. Dies liegt insbesondere daran, dass wir in Mitteleuropa wohnen und da die Sonne nicht so oft scheint.

Damit will ich sagen, nimm einfach keinen Kredit auf bzw. verschiebe den Hauskauf in die Zukunft. Kümmere dich als erstes darum Vermögenswerte aufzubauen die regelmäßig Erträge abwerfen. Diese kannst du dann nutzen um die Vermögenswerte immer weiter auszubauen. Und in einigen Jahren kannst du dann das Haus aus diesen Erträgen und Vermögenswerten kaufen, ohne einen Kredit aufzunehmen. Ich bevorzuge es allerdings zur Miete zu wohnen und Häuser nur dann zu kaufen, wenn ich mir diese leisten kann oder ein anderer für den Kredit bezahlt. Zur Miete kannst du genau so gut wohnen wie in einem Haus und zudem hältst du dir die Möglichkeit offen nach Lust und Laune jedes Jahr oder alle fünf Jahre umziehen zu können. Du kannst dir genau so eine Wohnung suchen, wie du haben willst, mit Garten, Seeblick oder was du auch immer möchtest.

Überleg dir nur einmal wie teuer ein Haus ist, für das du eine Kreditsumme von circa 200.000 Euro aufnehmen musst, was realistisch für heutige Häuser ist. Dabei zahlst du über die gleiche Laufzeit und bei gleichem Zins wie oben in dem Beispiel eine Gesamtsumme (Kredit + Zins) von circa 524.000 Euro zurück bzw. circa 1.250 Euro monatlich! Für diese 1.250 Euro im Monat kannst du dir eine mehr als durchschnittliche Wohnung zur Miete leisten! Erst nach mehr als 35 Jahren würde es sich unter Umständen lohnen in einem Haus zu wohnen. Beachte aber dabei, dass du als Hauseigentümer das Haus instand halten musst, als Mieter macht dies der Vermieter für dich. Hast du dagegen ein Haus bist du an diesen Wohnort gebunden. Sofern du umziehen möchtest, musst du hoffen einen Käufer für das Haus zu finden, was nicht leicht wird.

Kaufst du hingegen ein Haus, um es später zu vermieten, erhöhst du hierbei wieder deine Vermögenssparte und damit deine Erträge. Nimmst du hierfür einen Kredit auf, d.h. bezahlst du das Haus nicht nur aus Eigenmitteln, so sollte jemand anderes (nämlich der Mieter) für den Kredit zahlen. Dieser wird durch die dir monatlich zufließende Miete die Rückzahlung für den Kredit übernehmen. Kaufst du hingegen das Haus, um es selber zu bewohnen wird daraus eine Verbindlichkeit, denn das Haus verursacht immer wieder Kosten (Instandhaltung, Grundsteuer etc.).

Was du aus diesem Text mitnehmen solltest ist:

  • Kredite sind teuer
  • Je höher der Zinssatz ist (hier mit 7 Prozent noch relativ niedrig), umso teurer wird dir der Hauskauf zustehen kommen
  • Du zahlst eine enorme Menge an Zinsen zurück, die die Bank immer reicher machen und dich immer ärmer
  • Kaufe ein Haus, sofern du es in Zukunft vermieten möchtest
  • Wohne zur Miete, das ist günstiger als ein Haus zu kaufen
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