Der unfreiwillig langfristige Investor

Manuel ErnstInvesting Comments

Zu den unfreiwillig langfristigen Investoren gehören vorwiegend private Anleger. Sie besitzen einen kurzfristigen Anlagehorizont und eine hohe Risikoneigung. Dieser Anlegertyp wird erst spät auf eine Marktphase (Hausse-Phase, Baisse-Phase) aufmerksam. Hausse-Phasen sind Zeiten in denen der Markt immer neue höhere Kurse generiert. Es herrscht eine allgemeine Begeisterung über die neuen Höchstkurse vor. Ein möglicher Trendumschwung wird nicht in Betracht gezogen. Baisse-Phasen sind Perioden in denen die Aktienkurse am Boden sind und die allgemeine Markteinschätzung als schlecht angesehen wird.

In Hausse-Phasen erfolgt der Aktienkauf meist ohne Kenntnisse wesentlicher Grundlagen. Aktien werden nach dem Zufallsprinzip oder aufgrund heißer Tipps gekauft. Solange der Trend steigender Kurse anhält, funktioniert diese Vorgehensweise auch noch ganz gut und Buchgewinne werden erzielt. Das Problem dabei ist nur, dass dieser Anleger keinen Ausstiegszeitpunkt findet. Er hat sich weder über ein mögliches Kursziel, seine maximale Verlustbereitschaft oder Stopp-Techniken Gedanken gemacht. Dieses Verhalten resultiert aus der Tatsache, dass mögliche Verluste für den Anleger nicht vorstellbar sind, nach dem Motto: „Die Börse ist bis jetzt gestiegen und sie wird auch weiter steigen“. Es erfolgt eine Bagatellisierung von Verlustrisiken. Dabei wird die eigene Risikobereitschaft zu hoch eingeschätzt und Verlustrisiken völlig unterschätzt. In der Endphase von Hausse-Perioden stehen extreme Gewinnchancen ebensogroßen außergewöhnlichen Verlustrisiken gegenüber. Setzt dann eine Trendumkehr ein und es kommt zu einer Baisse, so wird der Anleger mit Buchverlusten in unterschiedlicher Höhe konfrontiert.

Er ist mit dem Ziel an die Börse gegangen kurzfristige Gewinne zu erzielen. Sein Ziel war es die letzte Hausse-Phase für schnelle Kursgewinne zu nutzen. Da nun aber die Kurse zusammengebrochen sind, befindet er sich in der Situation, in welcher die Entscheidung getroffen werden muss, die Buchverluste in Realverluste zu überführen oder nicht. Die meisten Anleger die ohne Aktienanalysestrategie an die Börse gegangen sind, werden ihre Buchverluste behalten. Sie hoffen darauf beim nächsten Marktaufschwung zu höheren Aktienkursen wieder verkaufen zu können. Aus dem eigentlichen Ziel der kurzfristigen Anlage zur Gewinnerzielung wird nun eine langfristige Strategie zur Verlustvermeidung. Dies hat mit dem ursprünglichen Ziel nichts mehr zu tun. Der Konflikt zwischen dem was der Anleger wollte (kurzfristige Geldanlage) und dem was er macht, lässt sich durch ein Anlagekonzept lösen. Mit einer fundierten Anlagestrategie wäre der Anleger in der Lage das Fehlverhalten (Verluste weiterlaufen lassen) zu kontrollieren. Er könnte seine Verluste durch bestimmte Techniken begrenzen. Hierunter zählen Stopp-Kurse zu denen Aktien automatisch verkauft werden oder die Festlegung einer persönlichen (maximalen) Verlustbereitschaft.

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