Zins und Inflation – Zwei entgegengesetzte Kräfte

Manuel ErnstFinancial intelligence Comments

Value-Investoren kaufen Aktien und andere Vermögensgegenstände die unter ihrem „wahren“ bzw. „intrinsischen“ Wert notieren. Sie gehen davon aus diese Aktien oder Vermögensgegenstände zu ihrem wahren Wert, oder etwas darüber, wieder verkaufen zu können. Hierdurch sind sie in der Position eine gute Rendite zu erwirtschaften und dies unter Berücksichtigung eines geringen Risikos.

Zu den erfolgreichsten Value-Investoren der USA gehört zweifellos Warren Buffett. Er erzielt regelmäßig Renditen die über der Rendite des Marktes liegen. Seine Investmentholding Berkshire Hathaway erzielte über circa 40 Jahre hinweg eine Jahresrendite von 21,5 Prozent. Hättest du beispielsweise im Jahre 1965 1.000 Euro in diese Aktie investiert so wären 40 Jahre später 2.415.745 Euro daraus geworden. In der gleichen Zeitspanne hatte der Aktienmarkt, hier am Beispiel des S&P 500, eine Jahresrendite von 10,3 Prozent. Über 40 Jahre Anlagedauer wären aus 1000 Euro 50468 Euro geworden.

Hieran ist zu erkennen, welchen Unterschied der Zinseszins bei der Geldanlage macht. Der Zinseszins entsteht dadurch, dass bei Wiederanlage der Erträge (z.B. Zinsen) diese im darauffolgenden Jahr mit verzinst werden. Ein Beispiel hierzu. Du legst 10 Euro zu 10 Prozent im Jahr an. Dann erhältst du am Ende des Jahres 11 Euro zurück. Am Ende des zweiten Jahres erhältst du 12,1 Euro zurück. Das heißt du hast 1,1 Euro und aus dem Jahr davor 1 Euro an Zinsen erhalten. Der Unterschied von 0,1 Euro ergibt sich aus dem Zins von 10 Prozent auf den einen Euro Zins aus dem ersten Jahr (=> Zinseszins). Über einen langen Zeitraum entsteht hierdurch eine erhebliche Zinssumme die auf den Zinseszins zurückzuführen ist.

Nachfolgend ist eine Tabelle zu sehen, die zeigt, wie sich unterschiedliche jährliche Renditen auf dein Vermögen auswirken.

Auswirkung unterschiedlicher jährlicher Renditen

Anhand dieser Grafik siehst du, dass kleine Unterschiede in der jährlichen Rendite einen erheblichen Einfluss auf die Vermögensentwicklung haben. Bei einer jährlichen Verzinsung von 1,80 Prozent hat sich dein Geld erst nach circa 40 Jahren verdoppelt. Strebst du hingegen eine Jahresrendite von 12 Prozent an (ist mit professionellem Value-Investing realistisch), dann verdoppelt sich dein Geld bereits nach ungefähr 6 Jahren. Selbst ein noch so kleiner Zinsunterschied zwischen 1,8 und 1,7 Prozent entscheidet, ob du nach 40 Jahren dein Geld verdoppelt oder verdreifacht hast. Bedenke dies bei deinen Anlageentscheidungen. Folglich lässt sich ausserdem festhalten, dass du mit Aktieninvestitionen eine deutlich höhere Rendite erzielen kannst, als mit Staatsanleihen oder Tagesgeldkonten. Tagesgeldkonten sind immer dann gut, wenn du aktuell Geld zum Investieren übrig hast, dieses aber zu diesem Zeitpunkt nicht in eine Investition stecken willst (z.B. keine guten Investitionsmöglichkeiten gefunden). Insofern erhältst du zumindest 2,7 Prozent Zinsen auf dein Geld und nicht nur 0,5 Prozent Zinsen auf einem Girokonto.

Nachfolgend siehst du eine Grafik die dir verdeutlichen soll, wie sich ein Vermögen mit einer jährlichen Rendite von 21,5 Prozent entwickelt. Diese 21,5 Prozent sind zwar nur in Ausnahmefällen erreichbar, wie z.B. durch Warren Buffett, verdeutlichen aber das exponentielle (überproportionale) Wachstum des Vermögens durch den Zinseszins.

Vermögensentwicklung durch Zinseszins-Effekt

Auch du als Privatanleger bist durch das Value-Investing in der Lage die Aktienmärkte um zwei bis vier Prozent zu schlagen, wenn du systematisch und mit einer Anlagestrategie vorgehst. Das heißt langfristig eine Rendite zwischen 10 und 12 Prozent zu erzielen. Der Zinseszins wird dir dabei helfen ein respektables Vermögen aufzubauen.

Neben dem Zinseszins existiert eine weitere Kraft. Diese gegen dich laufende Kraft heißt Inflation. Inflation bedeutet eine Geldentwertung, mit anderen Worten: es existieren mehr Geldeinheiten pro Gütereinheit als ein Jahr zuvor. Du musst also mehr Geld für die gleiche Sache aufwenden. Wie hängt nun die Inflation mit deiner Jahresrendite zusammen? Durch das Investieren von Geld erwirtschaftest du jedes Jahr eine bestimmte Rendite, z.B. 5 Prozent („nominelle Rendite“). Im gleichen Jahr erfolgt eine Geldentwertung (Inflation) von 3 Prozent. Das heißt die Inflation „frisst“ einen Teil deiner Rendite wieder auf. So bleibt dir am Ende des Jahres gerade einmal 2 Prozent Rendite auf dein eingesetztes Kapital. Hierauf musst du noch 25 Prozent Kapitalertragssteuer zahlen (Darauf wird im Folgenden nicht weiter eingegangen). Folglich ist es notwendig eine höhere Rendite als die beispielhaften 5 Prozent im Jahr zu verdienen, um einen langfristigen Vermögensaufbau zu ermöglichen. Ich bin der Meinung, dass dies durch das Value-Investing langfristig realistisch ist.

Auch hierzu möchte ich dir eine Grafik präsentieren. In dieser Tabelle werden die Renditen, einmal mit und einmal ohne die eingerechnete Inflation gegenübergestellt. Du wirst sehen, dass sich niedrig verzinsliche Anlagen, wie Staatsanleihen, nur bedingt zum Vermögensaufbau anbieten. Aktienanlagen hingegen ermöglichen auch nach eingerechneter Inflation langfristig eine angemessene Rendite. Besonders ist die Rendite kleiner Unternehmen (engl. „Small Caps“) hervorzuheben. Diese ist nochmal um einiges höher als die von großen Unternehmen (engl. „Blue Chips“).

Durchschnittsrenditen verschiedener Finanzanlagen

In der Grafik ist zu sehen, dass sich die Anleihen (insbesondere kurzfristige Staatsanleihen) nicht zum Vermögensaufbau eignen. Sie dienen allerhöchstens dem Kapitalerhalt. Um ein ansehnliches Vermögen aufbauen zu können, ist es notwendig sich mit Aktien und deren Analyse zu beschäftigen. Wie zu sehen ist, erwirtschaften Aktien auch inflationsbereinigt langfristig zwischen 5 und 14 Prozent. Zu berücksichtigen ist dabei, dass in dieser Darstellung noch eine relativ niedrige Inflation angesetzt wurde. In einigen anderen Ländern, neben Deutschland und USA, liegen deutlich höhere Inflationsraten vor und je höher die Inflation, umso schwerer wird der Kapitalaufbau.

Abschließend lässt sich festhalten, dass Zinseszins und Inflation zwei enorme Kräfte darstellen, die gegeneinander wirken. Aber langfristig gesehen ist der Zinseszins die stärkere Kraft von beiden. Der Zinseszins wird dir langfristig dazu verhelfen ein beachtliches Vermögen aufzubauen. Hierdurch ist es auf lange Sicht möglich das Ziel der finanziellen Freiheit und Unabhängigkeit zu erreichen.

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